Mittelmotor

Der Begriff “Mittelmotor” ist eine sehr unscharfe und oft fälschlich gebrauchte Bezeichnung, die ursprünglich nicht technisch, sondern umgangssprachlich entstanden ist. Richtig durchgesetzt hat sich der Begriff erst mit den Formel-Rennwagen der 60er-Jahre. So ist zum Beispiel 1933 der gerade erschienene Auto Union 16-Zylinder Rennwagen zu seiner Zeit als Heckmotorrennwagen bezeichnet worden, obwohl er nach heutiger Lesart ein reiner Mittelmotorwagen ist. Neben dem Begriff Mittelmotor gibt es noch die Bezeichnung Front-Mittelmotor.

Heute versteht man unter einem Mittelmotor-Sportwagen die Anordnung der Motor-Getriebe-Einheit vor den Hinterrädern, aber hinter den Sitzen. In der Anordnung Front-Mittelmotor liegt der Motor hinter den Vorderrädern, aber vor den Sitzen (beispielsweise Bizzarini 5300). Nach diesem Verständnis wären sehr viele Vorkriegswagen Front-Mittelmotor-Autos, die jedoch als Frontmotor-Autos bezeichnet werden.

Ein weiteres Merkmal „echter“ Mittelmotorwagen ist die konsequente Ausnutzung dieses Prinzips. Das Getriebe liegt hinter dem Motor, direkt daran angeflanscht ist das Differential. Bei dieser Anordnung entfällt beispielsweise die Kardanwelle. In diesem Sinne ist der Countach eine Sonderform, da bei ihm das Getriebe vor dem Motor liegt.

Der Mittelmotor hat den extremen Vorteil, dass die größten Gewichtstreiber wie Motor und Getriebe im oder beim Mittelpunkt des Fahrzeugs liegen. Das schafft eine ausgeglichene Gewichtsverteilung und ein prinzipiell positives Handling. Beim Fahren verhalten sich Mittelmotorautos entsprechend bis zum Grenzbereich extrem handlich und neutral. Allerdings: Durch das Gewicht im Schwerpunkt eines Fahrzeugs ist der Grenzbereich extrem schmal. Ist er überschritten, kommt das Übersteuern ohne lange Vorwarnzeit. Es gibt fast nur Mittelmotorautos mit Heckantrieb, in den vergangenen Jahren bei Lamborghini auch mit Allradantrieb.